Hochbetrieb in der Lokremise in Sulgen

Während drei Tagen, vom 30. Juni bis 2. Juli 2014, arbeiteten 12 angehende Fahrzeugschlosser im dritten Lehrjahr vom Berufs- und Weiterbildungszentrum Rorschach-Rheintal (BZR) in der Lokremise Sulgen. Sie beschäftigten sich vorrangig mit der Instandstellung der Dampflokomotive C5/6.

Es wurde speditiv gearbeitet, die Motivation war gross und die Zielsetzungen klar. Nachdem bereits in den zwei vorhergehenden Jahren eine Schulklasse mit Fachlehrer Peter Kaufmann vom Berufs- und Weiterbildungszentrum Rorschach-Rheintal mit Standort in Rorschach in der Lokremise tätig war, konnten beim diesjährigen Einsatz tatsächlich die Arbeiten an der alten Gotthard-Dampflokomotive C5/6, Nr. 2969, die im Jahr 1916 in Dienst gestellt wurde, ausgeführt werden. Das war für alle Beteiligten Neuland, doch begegneten sie dieser Situation mit grösster Ruhe und Sachverstand und die Arbeit ging trotz ungewohntem Umfeld gut voran. Mit Fräsmaschinen, Bohrmaschinen und Schweissgeräten wurde gearbeitet, unterstützt mit Rat und Tat von Dampflok-Fachmann Giuseppe Vecera.

Im Mittelpunkt der Aktion stand die Einkleidung des Heizkessels der Lokomotive mit Zweimillimeterblech. Sauber verankert umfasste sie zum Schluss den Kessel, einwandfrei angepasst. Der Auszubildende Jan Kriech aus St.Margrethen beurteilte die Arbeit als sehr interessant und abwechslungsreich. „Man lernt auch einmal etwas Älteres kennen und erfährt, wie das früher funktioniert hatte“, sagt er.

Effiziente Arbeit der Auszubildenden
Sowohl für Eurovapor-Präsident Gerd Hilligardt als auch für den technischen Leiter Johann Gröbli wurde von den angehenden Fachleuten sehr effizient gearbeitet und der durch den Brand vom letzten November in Interlaken entstandene Schaden mittlerweile wettgemacht. „Die Arbeit geht in grossen Schritten weiter, es wurde sehr viel erledigt“, bekräftigte Hilligardt. Er unterstrich dabei die bereits vorhandene Sachkenntnis und Routine der jungen Männer in ihrem Fach als Fahrzeugschlosser. Die Verkleidungen seien zwar erst mit den Spannsets befestigt, aber alle Teile schon angepasst. Allerdings betonte er, dass in Bezug auf die Fertigstellung der Dampflok noch einige grössere Brocken anstehen. Zum Beispiel die Bremseinrichtung und die Zylinderköpfe.

Eine Win-Win-Situation
Sowohl für den Fachlehrer Peter Kaufmann als auch für Johann Gröbli, dem technischen Leiter des Vereins Eurovapor, der Betreibergruppe der Lokremise, ist der Einsatz der Auszubildenden eine Win-Win-Situation. „Die Arbeit findet bei den Lehrlingen guten Anklang“, sagt der Fachlehrer, sehr angetan vom positiven Verlauf der Arbeit während den drei Tagen. Denn in der Regel arbeiten die Lehrlinge nie zusammen, sie kennen einander nur von der Schulbank. Die Möglichkeit der Zusammenarbeit in einem Arbeitsprozess sei nun gegeben, sagt Kaufmann. Für den Lehrer bedeutet der Arbeitseinsatz in Sulgen zusätzlich eine Steigerung der Sozialkompetenz, er stelle das Gemeinsame in den Vordergrund, betonte der Fachlehrer. Die Beteiligten lernten einander von anderer Seite kennen und stellten die unterschiedlichen beruflichen Einstellungen fest. Zusätzlich konnten sie hier selbständig arbeiten. Ein weiterer wichtiger Punkt sei der Umstand, dass die Lehrmeister hinter dem Projekt stehen und dieses auch finanziell unterstützen. Die drei Tage Arbeit gehen an einem Tag zu Lasten der Schule und zwei Tag steuern die Arbeitgeber bei. Ebenso bringen die Auszubildenden Werkzeuge wie Schweissanlagen, Winkelschleifer und Schutzwerkzeug mit.

Vor 46 Jahren letztmals
Johann Gröbli sieht im Arbeitseinsatz mit 12 Mann über drei Tage einen enormen ideellen Gewinn, soll doch die Dampflokomotive am Sonntag, 30. November erstmals aufgeheizt werden und unter Dampf stehen. Damit würde das genau 46 Jahre seit dem letztmaligen Einheizen der C5/6 geschehen. Für Präsident Gerd Hilligardt ist es wichtig, dass der Schwung innerhalb der Gruppe der aktiven Mitglieder, die seit dem Brand in Interlaken mit Hochdruck an der Aufarbeitung des entstandenen Schadens tätig sind, beibehalten werden kann.

Die Arbeit der Lehrlinge hätten dazu beigetragen, die geschichtsträchtige Dampflokomotive in der Fertigstellung voran zu bringen, sagt er.

Fritz Heinze

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